Wer wissen will, wie ein durchschnittliches europäisches Wohnzimmer im 18. Jahrhundert gerochen hat, muss nicht in ein Museum. Es reicht die Information, woraus das Licht bestand.
Kerzen wurden aus Talg gemacht – ausgelassenem Rinder- oder Hammelfett, ein Nebenprodukt der Schlachtung. Talgkerzen waren billig, rußten stark, mussten ständig geschnippelt werden und rochen beim Verbrennen ungefähr so, wie man es sich vorstellt. Wer es sich leisten konnte, kaufte Bienenwachs. Wer sehr viel Geld hatte, kaufte Walrat – Spermaceti, gewonnen aus dem Kopf des Pottwals. Es brannte hell und geruchlos und hat einen beträchtlichen Teil der Walpopulation gekostet.
Licht war jahrhundertelang ein tierisches Produkt. Das ist keine moralische Aussage, sondern schlicht Technikgeschichte: Fett war der beste verfügbare Brennstoff, und Fett kam vom Tier.
Was davon übrig ist
Der Talg ist nicht verschwunden. Er hat nur den Namen gewechselt.
Aus Talg gewinnt man Stearin, und Stearin ist bis heute ein gängiger Brennstoff – in Kerzen, in Grillanzündern, in Anzündwürfeln. Stearin kann pflanzlich sein. Es kann aber genauso gut aus tierischen Fetten stammen, und die Herkunft ist dem fertigen Würfel nicht anzusehen. Er ist weiß, fest, geruchsarm und brennt. Mehr erfährt man nicht.
Auf der Verpackung steht in der Regel auch nichts. „Anzündwürfel“ ist keine Zutatenliste. Anders als bei Lebensmitteln gibt es für Anzünder keine Pflicht, die Zusammensetzung anzugeben. Die zweite große Gruppe am Markt arbeitet mit Paraffin oder Petroleum – kein Tierprodukt, dafür Erdöl, und man riecht es.
Man zündet also etwas an, legt ein Steak darüber und weiß nicht, was darunter brennt. Bei einem Produkt, das man zwei Sekunden lang anschaut, fällt das niemandem auf. Genau deshalb ist es ein guter Ort, um Fragen nicht zu stellen.
Warum wir sie stellen lassen
In unseren Anzündern stecken zwei Dinge: Holzwolle und Wachs. Kein Talg, kein tierisches Stearin, kein Bienenwachs, kein Wollfett, keine Gelatine als Bindemittel. Das war ursprünglich keine Weltanschauung, sondern ein Fertigungsverfahren – wir tunken Holzwolle in ein Wachsbad, mehr passiert nicht.
Aber eine Behauptung ist nur so viel wert wie die Möglichkeit, sie zu überprüfen. Deshalb sind unsere Anzünder bei The Vegan Society registriert, unter der Nummer 025001. Die Vegan Society wurde 1944 in England gegründet und hat das Wort „vegan“ überhaupt erst erfunden – Donald Watson setzte es aus dem Anfang und dem Ende von vegetarian zusammen, weil er einen Begriff für die konsequentere Variante brauchte. Ihr Zeichen bekommt man nicht durch Anmeldung, sondern durch Prüfung der Rezeptur und der Lieferkette. Geprüft werden zwei Dinge: keine tierischen Bestandteile, keine Tierversuche.
Was das Zeichen nicht sagt
Es ist kein Umweltsiegel. Es sagt nichts über Klimabilanz, Herkunft oder Transportwege – nur über tierische Bestandteile und Tierversuche. Wir schreiben das dazu, weil Siegel gerne als Rundum-Versprechen gelesen werden. Für das Holz gibt es ein eigenes, unabhängiges System: FSC®.
Und es geht auch nicht darum, jemandem seine Ernährung vorzuschreiben. Fleisch ist Ihr Gemüse? Völlig in Ordnung, wir grillen selbst. Es geht um etwas Kleineres: dass Sie selbst entscheiden können, was unter dem Rost brennt. Diese Entscheidung setzt voraus, dass die Frage überhaupt jemand beantwortet hat.
Wir haben sie beantworten lassen. Von jemandem, der nicht bei uns angestellt ist.
Mehr dazu auf der Seite Vegan Society. Die Holzwolle unserer Anzünder stammt aus FSC®-zertifizierter Forstwirtschaft, FSC® C106855.