Neues vom Zündling: Die Lücke zwischen Funke und Scheit.

Der älteste Anzünder, von dem wir wissen, wurde 1991 in einem Gletscher gefunden. Der Mann, den man später Ötzi nannte, trug in seiner Ausrüstung Stücke des Echten Zunderschwamms bei sich – ein Baumpilz, der langsam und zuverlässig glimmt, wenn man einen Funken in ihn hineinschlägt. Er brennt nicht mit Flamme. Er hält Glut. Fünftausend Jahre lang war das die beste Lösung, die die Menschheit für ein sehr konkretes Problem hatte: Ein Funke ist zu kurz, ein Scheit ist zu träge. Es fehlt etwas dazwischen.

Diese Lücke ist die ganze Geschichte des Anzündens. Alles, was seither erfunden wurde – Zunder, Kienspan, Streichholz, Anzündwürfel, Wachswolle –, versucht dasselbe: Wärme lange genug bereitstellen, bis das eigentliche Brennmaterial von sich aus weitermacht.

Der Umweg über den Phosphor

Im 19. Jahrhundert glaubte man, das Problem sei gelöst. Streichhölzer mit weißem Phosphor entzündeten sich an fast jeder Oberfläche, waren billig und wurden in Massen produziert. Dass sie ihre Herstellerinnen umbrachten, fiel erst später auf: Die Arbeiterinnen in den Zündholzfabriken erkrankten an einer Kiefernekrose, die man in England nüchtern phossy jaw nannte. Anfang des 20. Jahrhunderts verboten mehrere Staaten weißen Phosphor in Streichhölzern; die Berner Konvention von 1906 machte daraus eine internationale Regel.

Man kann daraus die naheliegende Moral ziehen, dass Fortschritt manchmal rückwärts geht. Man kann daraus aber auch eine praktischere ziehen: Bei Dingen, die man anzündet, ist die Zutatenliste keine Nebensache. Sie ist die Sache.

Was heute im Regal steht

Wer heute Anzünder kauft, hat die Wahl zwischen einem halben Dutzend Bauarten, die alle dasselbe versprechen und sich sehr unterschiedlich verhalten. Anzündwürfel, deren Zusammensetzung von Holzmehl bis Kerosin reicht. Brennpasten und Gele. Elektrische Heizspiralen. Zeitungspapier, das schneller verbrennt, als ein Scheit warm wird. Und Holzwolle mit Wachs – in zwei Varianten, die im Regal identisch aussehen und es nicht sind.

Denn Wachs kann man auf Holzwolle sprühen oder Holzwolle in Wachs tränken. Das Erste geht schneller und braucht weniger Material. Das Zweite ergibt einen Anzünder, der auch dann noch Brennstoff hat, wenn die erste Minute vorbei ist. Wir machen das Zweite: Die Holzwolle geht ins Wachsbad, bis das Wachs im Inneren jeder Faser sitzt.

Man kann das selbst prüfen. Brechen Sie einen Anzünder auf. Ist er innen wie außen gewachst, war er getunkt. Ist er innen trockene Holzwolle, war er besprüht.

Wir haben das aufgeschrieben

Weil uns diese Frage regelmäßig erreicht – und weil ehrlicherweise auch Bauarten dazugehören, die wir selbst nicht herstellen –, haben wir eine Übersicht gebaut: Welcher Anzünder passt zu welchem Feuer. Bauart für Bauart, mit Brenndauer, Geruchsverhalten, Einsatzbereich und dem, worauf man jeweils achten sollte. Ohne Sieger-Podest, weil es keinen gibt: Für den Kamin ist etwas anderes richtig als für eine Feuerschale im November.

Was wir dabei nicht tun: behaupten, dass unsere Anzünder für alles die beste Wahl sind. Der Zündling® brennt rund zehn Minuten und ist der Anzünder für den Alltag. Der Bängalo hält rund fünfundvierzig Minuten durch, für Wind, klammes Holz und grobe Scheite. Beide bestehen aus Holzwolle und Wachs. Zwei Zutaten, keine Erdölbasis, keine chemischen Anzündhilfen.

Ötzi hätte das wahrscheinlich für Luxus gehalten. Er musste seinen Zunder selbst suchen.

„Bio-Anzünder“ ist bei uns die Kurzform für biologische Anzünder und beschreibt die Rezeptur – Holzwolle und Wachs. Es handelt sich nicht um ein amtliches Bio-Siegel. Die Holzwolle unserer Anzünder stammt aus FSC®-zertifizierter Forstwirtschaft. FSC® C106855.

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