Im Juni 1992 kamen in Rio de Janeiro Delegationen aus 172 Staaten zusammen. Der Erdgipfel war die größte Umweltkonferenz, die es bis dahin gegeben hatte. Am Ende standen zwei völkerrechtlich verbindliche Konventionen – eine zum Klima, eine zur biologischen Vielfalt.
Für den Wald reichte es nicht.
Die Idee einer weltweiten Waldkonvention scheiterte an einem Konflikt, der sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Die Industriestaaten, die ihre eigenen Wälder über Jahrhunderte abgeholzt hatten, wollten den tropischen Ländern vorschreiben, ihre stehen zu lassen. Was blieb, waren die sogenannten Waldgrundsätze – ein unverbindliches Papier. Es hieß offiziell „Nicht rechtsverbindliche, maßgebliche Darlegung von Grundsätzen“. Man muss den Titel zweimal lesen, um zu merken, dass er sich selbst widerspricht.
Der Umweg
Ein Jahr später, 1993, trafen sich in Toronto Leute, die auf die Politik nicht mehr warten wollten: Umweltverbände, Waldbesitzer, Gewerkschaften, indigene Vertreter, Holzhändler. Sie gründeten den Forest Stewardship Council® – sinngemäß: Rat für verantwortungsvolle Waldwirtschaft.
Der Gedanke dahinter war eine Art Trick. Wenn Staaten sich nicht einigen können, einigt sich eben der Markt. Wer Holz kauft, soll erkennen können, woher es stammt. Kein Verbot, kein Gesetz, sondern eine Information – und die Wette darauf, dass genug Menschen sie nutzen.
Damit das nicht zum Selbstlob der Branche wird, bekam der FSC® eine ungewöhnliche Verfassung: drei Kammern – Umwelt, Soziales, Wirtschaft – mit gleichem Stimmgewicht, und innerhalb jeder Kammer noch einmal eine Balance zwischen Nord und Süd. Keine Gruppe kann die andere überstimmen. Das macht Entscheidungen langsam und Kompromisse zäh. Es ist aber auch der Grund, warum das Zeichen bei Umweltverbänden bis heute anders bewertet wird als Siegel, die sich eine Branche selbst verleiht.
Der langweilige Teil
Wenn über Waldzertifizierung gesprochen wird, geht es meistens um den Wald. Um Kahlschlag, um Primärwälder, um Wiederaufforstung. Das ist der Teil mit den schönen Bildern.
Der eigentlich schwierige Teil kommt danach. Zwischen einem zertifizierten Baum und einer Handvoll Holzwolle liegen Sägewerk, Händler, Wollefabrik und eine Manufaktur in der Eifel. An jeder dieser Stationen könnte zertifiziertes Holz mit beliebigem anderem gemischt werden, und keiner sähe es dem Ergebnis an. Holzwolle ist Holzwolle.
Deshalb braucht jeder Betrieb in dieser Kette ein eigenes Zertifikat – die Produktkettenzertifizierung, auf Englisch Chain of Custody. Wareneingang, Menge, Warenausgang, alles dokumentiert, alles prüfbar. Das ist der unspektakulärste Teil des ganzen Systems. Es ist auch der, ohne den das Häkchen mit dem Baum nichts wert wäre.
Auch wir haben so ein Zertifikat. Es trägt den Code TSUD-COC-001718-OI, wird von TÜV SÜD Czech geprüft und führt unsere Anzünder in der Produktgruppe W18.11 Anzünder aus Holz mit der Aussage FSC 100%. Man kann es unter search.fsc.org nachschlagen, ohne uns zu fragen. Das ist der Punkt.
Was es nicht bedeutet
Ein FSC®-Zeichen ist kein Gesamturteil über ein Produkt. Bei uns bezieht es sich auf das Holz – nicht auf das Wachs, nicht auf die Verpackung, nicht auf den Versand. Wir schreiben das deutlich hin, weil Siegel gerne so gelesen werden, als würden sie alles abdecken. Tun sie nie.
Und noch etwas: Wer FSC® kauft, rettet keinen Wald. Er sorgt dafür, dass sich verantwortungsvolle Bewirtschaftung für den rechnet, der sie betreibt. Das ist eine wesentlich kleinere Behauptung als die üblichen – und eine, die man belegen kann.
1992 hat die Welt es nicht geschafft, ein Gesetz für Wälder zu machen. Was stattdessen entstand, hängt heute als briefmarkengroßes Häkchen auf unseren Kartons. Kein Ersatz für ein Abkommen. Aber auch nicht nichts.
Mehr zu unserem Zertifikat auf der Seite FSC®-Zertifizierung. FSC® C106855.